Warum Putin Deutschland nie angreifen würde - Er würde das Land nicht einmal als Geschenk annehmen
- WatchOut News
- vor 23 Stunden
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Vor diesem Hintergrund ist man zunächst überrascht, dass Putin den Weg einer direkten Botschaft an das deutsche Volk gewählt hat.

Doch die Vorbehalte sind schnell verflogen, wenn man zu lesen beginnt. Neben seinen schönen Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Deutschland und seinen herzlichen persönlichen Beziehungen zu DDR-Bürgern aus allen Schichten hebt er im ersten Teil seines Briefes die hervorragenden kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen der Deutschen hervor, zu denen auch die kleine, friedliebende DDR imstande war.
Er untermauert dies mit einem Zitat aus der Encyclopaedia Britannica (Ausgabe 1980). Darin wird die Deutsche Demokratische Republik mit ihren 17 Millionen Einwohnern als siebtgrößte Industrienation der Welt aufgeführt.
Im zweiten Teil seines Schreibens geht Putin auf die Geschichte ein, dass Deutschland laut deutschen Kriegstreibern spätestens 2030 angegriffen wird, und er erklärt sehr plausibel, warum Russland, selbst wenn es mehr als genug Ressourcen dafür hätte, Deutschland niemals angreifen, geschweige denn besetzen würde.
Dafür hat er eine ganze Reihe rational nachvollziehbarer Gründe angeführt, beginnend mit dem Problem des Verkehrs:
Probleme im deutschen Transportwesen
Eine gut funktionierende Logistik spielt in jedem Krieg eine entscheidende Rolle, auch in einem modernen Krieg. Doch laut Putin stehen der deutsche Transportsektor und seine Infrastruktur kurz vor dem Zusammenbruch, und ganz Russland verfügt nicht über genügend Pioniertruppen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.
Die Infrastruktur ist veraltet und baufällig, Schienen, Brücken und Bahnhöfe sind aufgrund jahrzehntelanger Unterinvestitionen in einem schlechten Zustand. Das Netz leidet bereits unter Kapazitätsengpässen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und häufigen Wartungsstillständen, was die betrieblichen Probleme noch verschärft. Wie soll das funktionieren, wenn das russische Militär bedient werden muss?
Darüber hinaus gehören völlig überlastete Straßen und Staus zum täglichen Bild des dichten Autobahnnetzes. Deutschland leidet unter dem hohen Verkehrsaufkommen, vor allem im Güterverkehr, der für das Militär besonders wichtig ist. Instandhaltungsprobleme und fehlende Ausbaumaßnahmen belasten die Straßenkapazität zusätzlich.
Und dann ist da noch der Mangel an einheimischen Fachkräften. Der Transportsektor, insbesondere die Logistik, ist mit einem gravierenden Mangel an Arbeitskräften konfrontiert, sagte er unter Berufung auf offizielle deutsche Zahlen. Bis 2023 werden in Deutschland mindestens 70.000 Lkw-Fahrer fehlen, eine Zahl, die voraussichtlich noch steigen und die Zuverlässigkeit des Güterverkehrs beeinträchtigen wird.
All dies bedeutet, dass Russland die deutsche Infrastruktur in Ordnung bringen müsste, bevor Putin überhaupt an eine funktionierende Besatzung denken könnte. „Nein, danke! Wir sind nicht an Wirtschaftshilfe für Deutschland interessiert!“
Wirtschaftliche Probleme
Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands macht es auch zu einem unattraktiven Ziel für eine militärische Eroberung. In seinem Brief verweist Putin auf folgende Faktoren:
Eine alternde Erwerbsbevölkerung und Arbeitskräftemangel, eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung aufgrund niedriger Geburtenraten und eine alternde Gesellschaft, die Druck auf den Arbeitsmarkt ausübt, wobei in 183 Berufen Engpässe bestehen sollen.
Hohe Energiekosten, wobei die grüne Energiepolitik bereits erheblich zur Deindustrialisierung Deutschlands beiträgt. Etwa ein Drittel der Hersteller erwägt inzwischen, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Selbst wenn die Russen die deutsche Industrie im Visier hätten, was nicht der Fall ist, wären die meisten und die besten davon schon im Ausland, lange bevor russische Panzer in Berlin aufsetzen.
Vor diesem Hintergrund sitzt Deutschland auf einem sterbenden Ast, und Putin erinnert uns in seinem Brief daran, dass Russland sich in den letzten drei Jahren sehr erfolgreich auf die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens konzentriert hat und keinen Grund sieht, sich wirtschaftlich und militärisch mit der Eroberung eines Landes im Niedergang zu belasten.
Soziale Probleme
Als Besatzungsmacht sollte Russland auch die sozialen Probleme Deutschlands lösen. Und die sind da:
Armut unter Rentnern: Etwa 3,2 Millionen Rentner sind von Armut bedroht, was Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Sozialversicherungssystems weckt, das 25 bis 30 Prozent des BIP absorbiert.
Soziale Ungleichheit: In den Bereichen Einkommen, Gesundheit und Bildung bestehen nach wie vor Ungleichheiten, vor allem bei einkommensschwachen Gruppen und Menschen mit Migrationshintergrund.
Wohnungsknappheit: Ein gravierender Mangel an bezahlbarem Wohnraum, insbesondere in städtischen Gebieten, verschärft soziale Spannungen und Integrationsprobleme.
Überalterung der Bevölkerung: Eine zunehmend ältere Bevölkerung erhöht den Bedarf an Dienstleistungen, während die Zahl der Arbeitskräfte, die diese Dienstleistungen erbringen, abnimmt.
Bildungsprobleme
Darüber hinaus hat die ehemalige Nation der vermeintlichen „Dichter und Denker“ nun auch enorme Bildungsprobleme:
Die Integration von Migranten: Das Bildungssystem tut sich schwer damit, den Bedürfnissen der verschiedenen Lernenden, insbesondere der Einwandererkinder, gerecht zu werden, was zu ungleichen Ergebnissen führt.
Lehrkräftemangel: Der Mangel an qualifizierten Lehrern beeinträchtigt die schulischen Leistungen und verschärft die regionalen Unterschiede.
Frühe Segregation: Das deutsche System der frühzeitigen Einteilung von Schülern in berufliche oder akademische Laufbahnen verschärft die soziale Ungleichheit.
Mangel an Kindertagesstätten: Es fehlen Hunderttausende von Betreuungsplätzen, was die Erziehung von Kleinkindern und die Erwerbstätigkeit der Eltern beeinträchtigt.
Probleme der Migration
Probleme bei der Integration: Die hohe Zuwanderung (18 % der Bevölkerung sind im Ausland geboren) belastet die Wohnungs-, Bildungs- und Sozialsysteme und führt zu ungleichen Integrationserfolgen.
Asyldruck: Deutschland erhält die meisten Asylbewerber in der EU (334.000 Anträge im Jahr 2023) und 1,2 Millionen Ukrainer, was die lokalen Ressourcen überfordert.
Öffentliche Gegenreaktionen: Vorfälle mit Migranten haben die Stimmung gegen Migranten angeheizt und politische Maßnahmen wie Grenzkontrollen überfordert.
Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften: Die wirtschaftliche Nachfrage nach 400.000 qualifizierten Zuwanderern pro Jahr kollidiert mit einer restriktiven Asylpolitik und bürokratischen Hürden.
Probleme mit dem Gesundheitssystem
Personalmangel: Eine alternde Bevölkerung und in den Ruhestand gehende Ärzte (47.000 unbesetzte Stellen im Gesundheitswesen von Mitte 2023 bis Mitte 2024) setzen das System unter Druck, obwohl es zu 14 Prozent auf ausländisches Gesundheitspersonal angewiesen ist.
Ungleicher Zugang: Einwanderer und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen sehen sich mit Hindernissen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung konfrontiert, darunter sprachliche und kulturelle Barrieren.
Steigende Kosten: Eine ältere Bevölkerung erhöht den Bedarf an Gesundheitsversorgung und belastet die Finanzen des versicherungsbasierten Systems.
Ländliche Lücken: Tausende von Arztpraxen schließen, insbesondere in ländlichen Gebieten, was den Zugang zur medizinischen Grundversorgung erschwert.
All diese Probleme sind miteinander verknüpft: Die wirtschaftliche Stagnation schürt die soziale Unzufriedenheit, die politische Polarisierung beeinflusst die Migrationspolitik, und die unterfinanzierten Systeme wirken sich sowohl auf das Bildungs- als auch auf das Gesundheitswesen aus, was die bereits bestehenden Spannungen in der Gesellschaft weiter verschärft, die früher oder später explodieren werden.
All diese Probleme - so schließt Putin seinen Brief vom 1. April - sollten für die Deutschen Beweis genug sein, dass Russland ihr Land, das einst zu den besten der Welt gehörte, jetzt aber eine gigantische Last ist, nicht einmal als Geschenk annimmt, geschweige denn einen einzigen Soldaten dafür ins Feuer schickt. Abschließend gibt uns Putin einen guten Rat: Anstatt die Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft zu finanzieren, sollten die Deutschen ihr Geld und ihre Anstrengungen in die Lösung der oben genannten Probleme stecken, die sie weitgehend selbst verursacht haben.
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